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Freitag, Mai 13, 2005

Déesse

Nein, es geht nicht um ein legendäres Auto. Die Rede muss vielmehr sein von einer Frau. Also spricht Christian Bommarius in der Berliner Zeitung:
"Haben es denn die Juden in Deutschland noch immer nicht begriffen? Muss man ihnen wirklich alles immer und immer wieder erklären, bis sie endlich verstanden haben und also schweigen? War es ihnen seit Beginn der Debatte vor 17 Jahren tatsächlich nicht klar, dass das zu errichtende Denkmal für die ermordeten Juden Europas keineswegs ein Ort der Erinnerung an Schuld und Verbrechen sein würde, keine Gedenkstätte, nicht einmal ein Kunstwerk, sondern ein sakraler Raum, in dem die Hohepriesterin Edith, selbst genannt Lea, Rosh die Anbetung der gleichnamigen Göttin besorgt? Wenn an diesem Ort die Hohepriesterin spricht, dann haben die Besprochenen - die Juden, die lebenden und die toten -, gefälligst zu schweigen. Wird hier ein Gottesdienst gefeiert - und hier wird seit Jahren, schon lange vor der Eröffnung nie etwas anderes gefeiert -, dann mögen die Juden Gebete murmeln, so lange und so viel wie sie wollen, aber angebetet wird hier einer nur, genauer gesagt: eine."
Mir war Lea Rosh schon lange unheimlich, und hier bringt jemand auf den Punkt, woran das wohl liegen könnte. Ihren halbherzigen Rückzug vom Plan begründet sie nun damit, ihr habe nichts ferner gelegen, als religiöse Gefühle zu verletzen. Religiöse Gefühle? So spricht jemand, der nicht weiß, wovon er redet. Die in der Berliner Republik häufig zu hörende Phrase von den religiösen Gefühlen, die es nicht zu verletzen gelte, markiert nicht mehr als eine Art Waffenstillstandslinie. Wer sie gebraucht, hält Religion letztlich für Blödsinn, gesteht ihr aber ein Reservat zu, das er nicht antasten möchte. Er strebt an, den Glauben als Privatsache zu verkapseln und seine Botschaft als letztlich irrelevant für eine Gesellschaft zu markieren - die derweil ungestört ihre Zivilreligion praktiziert, mit Lea Rosh als Hohepriesterin.

Da ist mir doch Condoleezza Rice lieber, die zum würdelosen Umgang von US-Soldaten mit dem Koran klare Worte findet:
"I want to speak directly to Muslims in America and throughout the world. Disrespect for the Holy Koran is not now, nor has it ever been, nor will it ever be tolerated by the United States," she said. "Disrespect for the Holy Koran is abhorrent to us all." (Reuters)
Auch Reuters ist übrigens in seiner internationalen Nachrichtengebung sehr viel deutlicher und spricht von desecration, während die gleiche Meldung in deutscher Sprache dieses Wort vermeidet. Klar, hier könnten ja zivilreligiöse Gefühle verletzt werden... (Und der Praktikant bei Focus, der die Headline zur Reuters-Meldung gedichtet hat, hält sich wohl auch für unglaublich originell.)

Nachtrag: Klare Worte auch bei Chuzpe

Zweiter Nachtrag: Dritter Nachtrag: Chuzpe dreht das Thema weiter.

Vierter Nachtrag: Newsweek zieht seine Story zurück:

Based on what we know now, we are retracting our original story that an internal military investigation had uncovered Qur'an abuse at Guantanamo Bay.

1 Comments:

At 5/13/2005 10:47:00 AM, Blogger Petra said...

Wirklich erschütternd und unheimlich... Und diese Frau ist noch nicht einmal Jüdin (was das Ganze immerhin mit "Traumatisierung in zweiter Generation" erklären würde)?

Noch unglaublicher, dass man sich offenbar auch noch auf sie eingelassen hat, obwohl man gewusst hat, wie sie ist...

 

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