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Montag, September 05, 2005

Im Zusammenhang

Das Vorwort von Paul Kirchhof zum Buch von Jürgen und Martine Liminski, aus dem im aktuellen Wahlkampf gern zitiert wird, erschien am 31. März 2002 in der Welt am Sonntag. Auszüge:
[...] unser deutsches Gesellschafts- und Wirtschaftssystem ist fast ausschließlich auf eine Maximierung von Profit und Spaß angelegt. Es sucht in einer gewaltigen Propaganda alle Menschen - Männer und Frauen - in sozialpflichtige Erwerbsarbeit zu drängen, vergisst dabei aber, dass Kapital nicht arbeitet, sondern nur Menschen mit Kapital arbeiten. Es vernachlässigt, dass ein Generationenvertrag ohne die nachfolgende Generation zusammenbricht, dass die Zukunft von Kulturgesellschaft und Wirtschaft in Deutschland durch Einwanderung nicht gesichert werden kann, weil selbst bei einer Einwanderung von jährlich fünfhunderttausend Menschen die Einwohnerzahl sinken und die Veralterung fortschreiten würde.

Unser Rentenrecht enteignet die Mütter, weil es ihnen faktisch die Alterssicherung durch ihre Kinder nimmt, dafür aber anderen Rentenansprüche gibt. Das Arbeitsrecht privilegiert die Kinderlosen, wenn es ihnen beruflichen Aufstieg eröffnet, die Mütter aber auch nach Erfüllung ihres Erziehungsauftrags vom Arbeitsmarkt fernhält. Das Steuerrecht benachteiligt Familien, weil es bei den Eltern auch einen Teil des Einkommens besteuert, der den Kindern gehört.

Staat und Wirtschaft in Deutschland stellen sich gegenwärtig nicht energisch der Aufgabe der Verteilungsgerechtigkeit, die Familien finanziell besser stellt und dazu alle anderen, die später von den Leistungen unserer Kinder profitieren, zu deren Unterhalt heranziehen müsste.

Wenn sich die Altersgruppe der Achtzehn- bis Fünfunddreißigjährigen in den nächsten zehn Jahren zu halbieren droht, wenn in den USA über fünfzig Prozent aller Ehen, in einigen Zentren von Wirtschaft und Wissenschaft fast hundert Prozent geschieden werden, zersetzt unser Erwerbs- und Wirtschaftssystem unsere Kultur, frisst die Menschen und zerstört unsere Zukunft. Gerade eine freiheitliche Gesellschaft wird nur gelingen, wenn der Freiheitsberechtigte sich in einer jung bleibenden Gesellschaft entfalten kann. Wir müssen uns deshalb der Frage stellen, ob Jugend im Fitness-Center synthetisch hergestellt wird oder in der Familie entsteht.
Auf diese Passage folgen dann die inkriminierten Äußerungen.
Wie sieht Familienglück in einer wirklich gelebten, echten Gemeinschaft von Eltern und Kindern aus? Die Mutter macht in ihrer Familie Karriere, die nicht Macht, sondern Freundschaft verheißt, nicht Geld, sondern Glück bringt. Ihr Beruf als Familienmanager fordert - jenseits des zweiten, des eher handwerklichen Auftrags - stetige Präsenz, einen Raum der Bedingungslosigkeit und des Humanum, eine Intimität als Grundmuster der Familie, ohne die eine Frau zwischenmenschliche Beziehungen nicht gestalten, Menschlichkeit nicht schenken kann. Die Mutter widmet ihren Kindern vor allem Zeit, gibt ihnen auf dieser Grundlage Zärtlichkeit, Zuwendung und ein Zuhause.
Und zur Vaterrolle:
Auch der Vater sieht seine erste Verantwortung in seinem Familienberuf und erst dann in seinem Erwerbsberuf. Wenn Erziehungspflichten vernachlässigt werden, wirkt sich das auf Menschen aus; wenn Pflichten im Erwerbsberuf vernachlässigt werden, hat das meist nur Folgen für die Produktion. Diese Perspektive ist entwaffnend unökonomisch und rückt unsere fast ausschließlich vom Erwerbsstreben verrückte Welt wieder zurecht. Der Vater sichert den familiären Konsens und wacht über die Solidarität, entwickelt eine natürliche Autorität, die im nicht selten unbegrenzten Vertrauen in die Glaubwürdigkeit des Vaters auch an Überforderung grenzt, trägt mit der Mutter die Verantwortung, den Kindern Tugenden einzuprägen, zu denen insbesondere auch die Fähigkeit zu unbeschwerter Freude gehört.

Seine eigene Vatertugend wird vor allem von der klassischen Erfahrung bestimmt, dass es die Aufgabe der Einflussreichen ist, die ihnen Anvertrauten zu schützen. Der Vater findet seine Identität, wenn er die ökonomischen Grundlagen der Familie beschafft und die Kinder in ihrer Zugehörigkeit zu Familie, Staat, marktwirtschaftlicher Ordnung, Kulturgemeinschaft und Kirche erzieht.
Soweit der Zusammenhang.

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