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Freitag, Januar 20, 2006

Alfred Grosser

Der bekennende Atheist wirft im Rheinischen Merkur einen scharfsichtigen Blick auf die Situation der Kirche in Deutschland:
Wo sehen Sie die Freiheit der deutschen Kirchen eingeschränkt?
Beim Geld. Ein deutscher Bischof spricht von Armut, ein französischer ist arm. Als die Wochenzeitung „L’Observateur“ vor kurzem die Gehälter wichtiger Leute in Paris veröffentlichte, war der Erzbischof einer der ärmsten. Er bekommt Wohnung und Essen und 1000 Euro im Monat, und er fährt sein selbst bezahltes Auto selber. Das Geld ist ein Verhängnis der Kirchen in Deutschland. Immer wenn die Steuern gesenkt werden, jammern die Kirchen. Ihr enormer Apparat belastet sie.
Wo sehen Sie ein Problem, wenn die Kirchen von 26 Millionen Mitgliedern Beiträge erheben, auch wenn sie sie durchs Finanzamt einziehen lässt?
Nein, nein, sie hat es von Leuten, denen das Geld weggenommen wird, weil sie nicht wagen, aus der Kirche auszutreten. Wie viele Gläubige gibt es unter den Kirchensteuerzahlern? In Deutschland müssen Sie auch so lange Ihre Zeitung abonnieren, bis Sie ein Kündigungsschreiben schicken. In Frankreich bezahle ich mein Abonnement nicht mehr, und es ist Schluss. Unsere Kirchen sind bettelarm, aber so scheinen sie mir dem Evangelium treuer zu sein als die reichen Deutschen.
Das ganze Interview ist des Lesens würdig. Grosser hat im vergangenen Herbst ein Buch mit dem Titel "Die Früchte ihres Baumes. Ein atheistischer Blick auf die Christen" veröffentlicht.

6 Comments:

At 1/20/2006 01:43:00 nachm., Anonymous sttn said...

Scharfsinnig ist der Blick eigentlich nicht. Das was er sagt ist hinlänglich bekannt ... er wiederholt das was seit 30 Jahren all diejenigen sagen die mal wieder gegen die Kirchen wettern wollen oder wie in seinen Fall einen Aufhänger (für sein Buch) brauchen.

Sorry, aber ich hab das so oft gehört - teilweise auch mal aus meinen eigenen Mund (nur hab ich zwischenzeitlich dazugelernt).

Wie sieht es denn in Frankreich aus? Übernimmt die Kirche dort auch so viele Aufgaben wie in der BRD? Gibt es in Frankreich ein so gutes und engagiertes Angebot an Seelsorge? Gibt es dort ein so lebendiges Gemeindeleben, was für viele Gläubige oftmals eine zweite (oder die einzige) Familie ist?
Weiß da jemand mehr?

Der Herr Grosser reduziert ja alles nur auf das Geld herunter - das scheint für ihn das einzig wichtige zu sein, ist das Bankkonto seine Ersatzreigion?

Ich zum Beispiel finde das System der Kirchensteuern wie es in Derutschland gehandhabt wird gut. Wer nicht will kann ja austreten, bzw. muß nicht eintreten Und wer will kann eintreten (wie ich in die katholische Kirche), man muß aber nicht in der Kirche sein um am religiösen Leben teilzunehmen (wie ich, bevor ich eintrat).
Nur ist es halt so das das ganze Geld kostet und wenn ich mir das Engagement der Kirchen in der Gesellschaft anschaue dann sehe ich das Geld auch sehr gut verwendet.

Gruß

Stefan

 
At 1/20/2006 03:35:00 nachm., Blogger Ralf said...

Es gibt in Frankreich ein gutes Angebot an Seelsorge, wenn man es will. Die Katholiken, die ich da aktiv erlebt habe, sind sehr überzeugte Christen. Es gibt nicht so viel institutionalisierte Hilfe im sozialen bereich wie hierzulande, aber es gibt nicht weniger Hilfe von der Kirche - d.h., viel Hilfe hier wird im Namen der Caritas von nicht-Katholiken durchgeführt, dort helfen Katholiken im säkularen Alltag genauso gut. Jeder von uns ist Kirche.

Gesellschaftliches Engagement der Kirche macht nur dann Sinn, wenn sie das Evangelium verkündet. Wo tut sie das im gesellschaftl. Kontext? Und zwar konkret und anders(!) als die säkularen Angebote?

Ich habe die Kirche in F als sehr sehr klein, aber mit sehr viel Glut erlebt. Hier ist es umgekehrt, deswegen werden auch wir hier sehr sehr klein werden.

 
At 1/20/2006 04:49:00 nachm., Anonymous sttn said...

Gesellschaftliches Engagement der Kirche macht nur dann Sinn, wenn sie das Evangelium verkündet
Dem stimme ich nicht zu, da es gerade das soziale Engagement ein stück weit Glaubwürdigkeit ist. Wenn ich mir anschaue was in meiner Gemeinde angeboten wird - neben Mutter-/Kindgruppen gibt es Bibellesungen, neben der sehr engagierten Sozialstation gibt es organisierte Rosenkranzgebete, neben dem Musikchor gibt es Seniorenwanderungen etc...
Nun das alles nur auf das Verkündigen des Evangelium zu reduzieren empfände ich als riesigen Verlust.
Ich gebe es ja gerne zu, ich bin ein großer Fan des gelebten Glaubens. Glaube wie ich ihn verstehe ist halt viel mehr als nur das Evanglium.

Ich habe die Kirche in F als sehr sehr klein, aber mit sehr viel Glut erlebt.
Ich weiß jetzt nicht wie es bei Dir in der Gegend ist - aber bei meiner Gemeinde - ich wohne in München, Stadtteil Ramersdorf - gibt es sehr viel Glut.
Gut, hier profitiert man von der dörflichen Lage innerhalb einer Großsstadt und auch von der schönen Wahlfartskriche Maria Ramersdorf.
Aber auch in anderen Gemeinden erlebe ich viel Glut - zum Beispiel dort wo meine Firma ist (Ottobrunn/Riemerling).
Ich gehe unheimlich genre in die Kirche in Ottobrunn. Wenn nicht gerade eine Kunstausstellung in der Kirche ist, sieht man 3. Welt Aktionen, Aktionswochen für besondere Heilige oder auch "nur" ein wunderbares Weihnachtsfest. Die machen total viel, da ist extrem viel los.

Hier ist es umgekehrt, deswegen werden auch wir hier sehr sehr klein werden.
Warum sollte das passieren? Ich erlebe momentan eigentlich die entgegengesetzte Entwicklung.

 
At 1/20/2006 05:03:00 nachm., Blogger Ralf said...

Die Zahl der Austritte ist immer noch rund 10mal so groß wie die der Eintritte - nur bekommt man die Austritte eben nicht mit.

Ich weiß auch nicht, warum für Deine Aufzählungen die Kirchensteuer notwendig ist. geht woanders auch ohne. In den USA gibt es bspw. viel mehr soziale Aktivität pro Pfarrei (auch selbst erlebt), da gibt es keine Steuer.

Nicht das Geld ist primär das Problem hier, sondern die Arbeitgeberrolle. Aber letzteres gäbe es nicht ohne ersteres.

 
At 1/20/2006 10:15:00 nachm., Anonymous sttn said...

Die Zahl der Austritte ist immer noch rund 10mal so groß wie die der Eintritte - nur bekommt man die Austritte eben nicht mit.
Es gibt aber immer mehr Eintritte und vielerorts merkt man das das Chirstsein wieder positiv gesehen wird. Das man nicht von Heute auf Morgen die Entwicklung umdrehen können liegt in der Natur der Sache, aber der Trend geht in die richtige Richtung.
Wo anders bekommt man die Austritte ja nicht mit. Wo keine Kirchensteuer gezahlt wird gibt es auch keine Austritte, sicher aber ähnliche Zahlen was die Abwendung von der Kirche anbelangt.

Ich weiß auch nicht, warum für Deine Aufzählungen die Kirchensteuer notwendig ist. geht woanders auch ohne.
Nur geht es mit den Kirchensteuereinnahmen besser...

In den USA gibt es bspw. viel mehr soziale Aktivität pro Pfarrei (auch selbst erlebt), da gibt es keine Steuer.
Ob es mehr gibt sei mal dahingestellt. Ich war oft genug in den USA um selber gesehen zu haben was dort los ist. So wie es dort ist will doch nun wirklich niemand. Du hast dort sicher auch viel Engagement in den Pfareien, nur ist das dringend notwendig und vieles was für uns selbstverständlich ist gibt es dort einfach nicht oder muß erst privat in jeder Pfarrei zusätzlich organisiert werden. Und wenn es nicht organisiert wird gehen die Menschen zugrunde, ist im reichsten Land der Erde ganz normal und ganz sicher nicht vorbildlich.

Nicht das Geld ist primär das Problem hier, sondern die Arbeitgeberrolle. Aber letzteres gäbe es nicht ohne ersteres.
Was würde es ändern wenn kein Geld da ist. Würde die Kirche keine Hierarchie sein, kein Arbeitgeber?
Ich glaube das es eher dazu führen würde das es vieles nicht mehr gibt was für uns Heute selbstverständlich ist.

 
At 1/21/2006 05:51:00 nachm., Blogger Ralf said...

Dann gäbe es vieles nicht mehr, na und? Nicht alles selbstverständliche ist gut. Die Kirche ist dazu da, Jesus Christus zu verkünden - alles andere kann dazukommen, muß aber aus diesem alleinigen Grund dazukommen, sonst ist es nicht mehr Kirche.

Schön mag das sein, klar, meine besten Freunde sind auch selten bis nie in der Kirche. Doch um schön und nett sein geht es nicht.

 

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