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Dienstag, Juni 21, 2005

Untergang

Vielleicht ein guter Zeitpunkt für einen kurzen Rückblick. Das neue Technorati zeigte mir heute dieses Zitat:
"Der westeuropäische Protestantismus wird dem Untergang geweiht sein, wenn sich nicht bald eine Bewegung bemerkbar macht, die mit der Reformation des 16. Jahrhunderts vergleichbar ist."
Es stammt von keiner Geringeren als Isabelle Graessle, der Leiterin des Genfer Museums der Reformation. Und es rief mir ein anderes Zitat in Erinnerung:
"Sydneys anglikanischer Erzbischof Peter Jensen hat die Idee des klassischen Protestantismus für 'weitgehend tot' erklärt. Der Erzbischof rief in einer Rede vor dem Kirchenrat von New South Wales 'alle Christen' auf, sich mit der römisch-katholischen Kirche in einem 'Protestantismus des Gewissens' gegen den 'säkularistischen Humanismus' als 'gemeinsamen Feind' zusammenzutun. Das Etikett 'Protestantismus' sei passend, so Jensen, solange es für ein 'durch die Bibel geformtes Gewissen' stehe. Der letzte Beweis für das Ende des Protestantismus alter Prägung sei die Hochzeit zwischen dem britischen Thronfolger Prinz Charles und Camilla Parker-Bowles, sagte der anglikanische Erzbischof. Jetzt werde eine königliche Hochzeit wegen eines Papstbegräbnisses verschoben: 'Eine unausweichliche Entscheidung, aber sie markiert das Ende des protestantischen England'."
Natürlich bleibt dies nicht unwidersprochen. Doch gehen wir noch einmal zurück zum Start. Das dritte Zitat stammt von mir und diagnostiziert ebenfalls das Ende des Protestantismus:
"Seine ursprünglichen Anliegen sind erfüllt, seine intellektuelle Kraft erschöpft. Was bleibt, ist nur noch Häresie. Wäre nicht 2017 ein guter Termin, die Reformation ad acta zu legen?"

Klar, es mangelt an begrifflicher Schärfe der Unterscheidung zwischen Protestantismus, Anglikanismus, Reformierten, Lutheranern und Freikirchlern. Es gibt aber durchaus einen gemeinsamen Punkt, was die Krise der evangelischen und anglikanischen Kirchen betrifft: Diese Kirchen sind aus ihrer Entstehungsgeschichte heraus Staatskirchen (Landeskirchen deutscher Prägung unterscheiden sich nur graduell) und damit auf die Unterstützung seitens des Gemeinwesens angewiesen. Darin unterscheiden sie sich fundamental von der katholischen Kirche - denn die wird auch in Deutschland nicht untergehen, wenn sie keine Körperschaft des öffentlichen Rechts mehr sein kann.

2 Comments:

At 6/21/2005 11:25:00 nachm., Blogger Dr. Matthias O. Will said...

Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

 
At 6/21/2005 11:38:00 nachm., Blogger mr94 said...

Die deutschen Bistümer sind durch die verschiedenen Konkordate ganz ähnlich staatskirchlich eingebunden wie die evangelischen Landeskirchen. Das ist ebenso problematisch. Der Unterschied ist nur: Bistümer gehen nicht unter, wenn Konkordate nicht mehr bestehen - Landeskirchen hingegen wohl schon.

Es hat in Deutschland nie eine strikte Trennung von Staat und Kirche gegeben. Wir stehen im europäischen Vergleich zwischen den Staatskirchen (England, Schweden, Dänemark etc.) und den laizistischen Staaten (Frankreich).

 

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