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Samstag, August 20, 2005

Thema der Woche

Hervorragender Kommentar heute im Deutschlandfunk (Themen der Woche, noch nicht online). Hier die zentrale Passage:
Nein, machen wir uns nichts vor: Der kulturelle Mainstream bei uns, die Bewusstseinsindustrie in großen Teilen ist gegen eine Kirche mit Einfluss, also vor allem gegen die katholische und ergo auch gegen deren greifbare Personifikation, den Papst. Nichts an der Schlagzeilenproduktion dieser Tage kann darüber hinwegtäuschen. Man war schon feindselig scheinheilig gegen Johannes Paul II., dessen fulminanter Erfolg weltweit unseren angeblich aufgeklärten säkularisierten Schichten ein gewaltiges Ärgernis war. Statt sich in tiefstem Herzen zu freuen über die globale Macht einer Religion der Liebe und der humanen Vernunft, wurde am Ornat geflickt, wo es nur ging. Feministinnen gegen Zölibat, Atheisten für Priesterschaft von Frauen, alle zusammen gegen eine weltfremde Kirche, der man die Kampfbegriffe Abtreibung, Homosexualität, Kondome, Aids um die Kirchtürme haut.

Mit Aufklärung und Humanität hat das aber gar nichts zu tun: Es ist selber nur ein Fetischkult, ein im Geiste ziemlich schlichter dazu. Als sei Abtreibung nicht massenhaftes Töten von Leben, als sei beispielsweise eheliche Treue und liebende Sexualität nicht das wirksamste Mittel gegen Aids; aber nein, es müssen ja die Kondome sein, die zum Papstbesuch natürlich witzigerweise verteilt werden. Als ob jemand, der die Treue nicht achtet, wenigstens vor der Lust brav ans Kondom denkt - ach Gott, es ist auch eine Primitivität in dem, was sich Kritik an der Kirche nennt, dass es einen jammert.

Die alles andere als aufgeklärte Kritik hatte nun erkennbar gehofft, dass nach dem populären Papst aus Polen der Theoretiker Ratzinger die Massen kaltlassen würde. Und nun das Erschrecken: Dieser hochgebildete, feinsinnige Mann kommt nach Deutschland, bringt jugendliche Divisionen mit und in Bewegung, dass es ein Erstaunen ist. Vorbehaltlos wird auch dieser Heilige Vater von Jugendlichen gefeiert, die er nach Deutschland und auf die Beine gebracht hat. Aber, und das gilt es festzuhalten, nicht als Benedikt XVI., sondern als Papst. Es ist gar nicht die Person, es ist nicht der sterbliche Nachfolger Petri, es ist eben doch die Institution, es sind die tiefen Wurzeln durch jetzt schon Jahrtausende, es ist die weltumspannende felsenfeste Kirche, die so viele junge Menschen fasziniert, die auch Zukunft verheißt in einer Zeit, in der Politik, staatliche und gesellschaftliche Institutionen keinen Halt geben, weil sie selber haltlos geworden sind.


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1 Comments:

At 9/08/2005 10:13:00 nachm., Anonymous fra said...

Ja, den hab ich auch mit freude gehört.

Aber leider geht es sonst auf dem DLF ganz anders zu.

Ich weiß nicht warum ich mir "Tag für Tag" jene Sendung anhöre, die besser "Information gegen Religion in der Gesellschaft" betitelt sein sollte.

 

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