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Montag, Oktober 03, 2005

Eichsfelder

Stammleser wissen bereits, dass ich das Eichsfeld meine Heimat nennen darf. Der Landstrich gehört heute teils zu Thüringen, teils zu Niedersachsen. Das Eichsfeld war also, wie sich daraus leicht entnehmen lässt, bis 1989/90 durch den Eisernen Vorhang geteilt. Es war und ist eine katholische Insel mitten im reformatorischen (und heute weitgehend neuheidnischen) NordMitteldeutschland.
Die Eichsfelder haben mit ihrer noch immer tiefen katholischen Prägung mit den Nachbarn im Süden mehrerlei gemein: ihren Stolz und ihr Gottvertrauen, das sich im Alltag als Optimismus und Durchhaltewillen bewährt. Ähnlich wie die Fuldaer in Hessen schildern die Eichsfelder dem Fremden kein Problem, sondern vor allem ihre Chancen. Im umliegenden Stammland der Reformation, in Mühlhausen oder Nordhausen, ist das umgekehrt. Da ist die Grundstimmung in Moll gefärbt, es dominieren Sorgen, Klagen und der Ruf nach dem Staat.
Mit diesen Worten beschreibt Claus Peter Müller in der FAZ vom 1. Oktober treffend, wie ich finde, diesen Menschenschlag, der sich niemals gescheut hat, sich durch Abgrenzung gegenüber dem Umland zu definieren. Das eigentliche Thema ist der Stadtumbau in Leinefelde.
Eigentlich ist Leinefelde keine Stadt. Es war ein kleines Dorf bei Worbis im niederdeutschen Teil des Eichsfelds östlich des oberdeutschen Eichsfelds um Heiligenstadt gelegen. Beide Teile aber waren stets katholisch und damit gegen politische Extreme resistent. Sowohl die Nationalsozialisten als auch später die Sozialisten bekamen das zu spüren.
In den 80er Jahren, als meine Familie regelmäßig ihre entfernten Verwandten im Obereichsfeld besuchte, hatte ich ab und an Gelegenheit, diesen widerständigen Katholizismus aus der Nähe zu sehen. Es war eine fremde, aber zugleich irgendwie vertraute Welt. Den gleichen Eindruck gewann ich ab 1989/90 von der ganzen DDR. In den 60er Jahren war übrigens der heutige Kardinal Joachim Meisner als Kaplan in Heiligenstadt.

1 Comments:

At 10/04/2005 02:42:00 nachm., Blogger Petra said...

"In den 60er Jahren war übrigens der heutige Kardinal Joachim Meisner als Kaplan in Heiligenstadt."

Noch bevor ich diesen letzten Satz gelesen habe, habe ich den Zusammenhang zwischen dem von Dir beschriebenen Eichsfelder Biotop und den Aktivitäten Meisners als junger Priester in einem widerständig-katholischen DDR-Milieu erkannt... :-)

 

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