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Dienstag, April 18, 2006

Durch Christus, unsern Herrn

Ralf bringt auf den Punkt, warum es nicht angebracht ist, die kleine Orations-Schlussformel "Durch Christus, unsern Herrn" zu "Bruder und Herrn" zur erweitern - wie es ja in Kreisen üblich ist, die der liturgischen Beliebigkeit frönen:
"Mir fiel neulich auf, daß nach Ostern keiner der Apostel von Jesus als “unserem Bruder” spricht, Petrus spricht gar vom “Herrn, der bei uns ein- und ausging”. Da schimmert eine Fremdheit durch, ein Anders-sein. Keine Kumpelbeziehung, keine dicke Freundschaft zum Pferdestehlen. Auch wenn Jesus selbst die Apostel zum Schluß hin “Freunde” nennt so wird dies von seiten der so genannten nicht wiederholt.

Der Herr ist der Andere. Nach Ostern und zumal nach Pfingsten war den Aposteln die Sendung Jesu klar, nach Ostern die Sendung Jesu, nach Pfingsten die ihrige.

Es wird viel von “unserem Bruder Jesus” gesprochen heutzutage, ich tue das auch, zumal bei “unserem Bruder und Herrn”. Die Apostel waren da zurückhaltender. Was kann das für uns heißen?"

4 Comments:

At 4/19/2006 12:21:00 nachm., Anonymous Peter Gerloff said...

Bin auch kein Freund der liturgischen Beliebigkeit. Aber gerade im Evangelium des Ostersonntags sagt Jesus doch zu Maria Magdalena: "Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen..." (Joh 20, 17). Sachlich ist die Erweiterung der Schlussformel also wohl gerade in diesen Tagen nicht falsch.

 
At 4/19/2006 12:27:00 nachm., Blogger mr94 said...

Die Frage ist doch aber: Durch wen bitten wir - durch den Herrn oder den Bruder? Und warum steht in den liturgischen Büchern nur "durch Christus, unsern Herrn"?

Gleiches Thema: In der großen Schlussformel wird gern der Herrscher durch den Schöpfer ersetzt. Also statt "der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht" dann "lebt und Leben schafft". Warum?

 
At 4/22/2006 10:22:00 vorm., Anonymous Peter Gerloff said...

Wie gesagt, ich halte mich (fast) immer an die vorgeschriebenen Wortlaute. Aber das theologische Thema ist hier wohl die Veränderung des Herren- und Herrschaftsbegriffs, wenn er auf Jesus Christus bezogen wird. Die da abwandeln, tun es wohl aus der Sorge, dass diese Veränderung nicht mitgehört wird. Erfahrungsgemäß wirkt solche Sorge allerdings wortmultiplizierend, weil alles immer vor allen möglichen Missverständnissen geschützt werden muss...

 
At 4/24/2006 09:45:00 vorm., Blogger mr94 said...

Das ist ein interessanter Gedanke. Im Prinzip gibt es zwei Ansätze zur Lösung dieses sprachlichen Problems:

1. Wir verändern die Sprache der Liturgie, damit sie der Sprache der Menschen näherkommt. (Das ist das, was mit der ersten Liturgiereform in der Geschichte der Kirche begonnen hat.)

2. Wir lehren die Menschen die Sprache der Liturgie, damit sie sie - und damit das Wort Gottes - verstehen lernen. (Das war fast 2.000 Jahre Programm.)

Gut, ich gebe zu, das ist jetzt etwas zu einfach. Aber schön anschaulich.

 

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