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Montag, Januar 24, 2005

Eristische Dialektik ist die Kunst zu disputieren, und zwar so zu disputieren, daß man Recht behält, also per fas et nefas. Man kann nämlich in der Sache selbst objective Recht haben und doch in den Augen der Beisteher, ja bisweilen in seinen eignen, Unrecht behalten. Wann nämlich der Gegner meinen Beweis widerlegt, und dies als Widerlegung der Behauptung selbst gilt, für die es jedoch andre Beweise geben kann; in welchem Fall natürlich für den Gegner das Verhältnis umgekehrt ist: er behält Recht, bei objektivem Unrecht. Also die objektive Wahrheit eines Satzes und die Gültigkeit desselben in der Approbation der Streiter und Hörer sind zweierlei. (Auf letztere ist die Dialektik gerichtet.)
Mit diesen Worten leitet Schopenhauser ein als »Dialektik«, »Eristische Dialektik« oder »Die Kunst, Recht zu behalten« aus seinem Nachlass veröffentlichtes Manuscript ein. Ich musste sofort an diverse Debatten in gewissen einschlägigen Foren denken, in denen ganz offensichtlich genau das geschieht: Ein vermeintlich oder tatsächlich widerlegter Beweis gilt als Widerlegung der Behauptung selbst - ungeachtet der Tatsache, dass es natürlich andere Beweise geben kann.

Woher kommt das? – Von der natürlichen Schlechtigkeit des menschlichen Geschlechts.
Meint jedenfalls Schopenhauer. Erbsünde, ick hör' dir trapsen.

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