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Freitag, Mai 27, 2005

Fronleichnam revisited

Scipio berichtet ausführlich. Ich bedauernswertes Nordlicht war gestern im Büro, aber zur Abendmesse in Finkenwerder (mit Tantum ergo und sakramentalem Segen) hat es noch gereicht. Den Rest des Abends verbrachte ich im Garten, nach der zweiten Vesper vom Hochfest las ich noch die Fronleichnamspredigt von Joseph Ratzinger aus dem Jahre 1978 (in Gott ist uns nah, Teil meiner neuen Ratzinger-Bibliothek).

Vorgestern ist mein Rosenkranz eingetroffen, ein Geschenk von Ralf (vielen lieben Dank!), der sich seine eigenen Gedanken zu Fronleichnam macht - als Fest der Glaubensbezeugung an die Gegenwart Christi in Brot und Wein, gegen den Protestantismus (weshalb der evangelische Theologe Helmut Fischer jüngst zum Ergebnis kam, das Fest sei "für evangelische Beteiligung völlig ungeeignet", wie uns Jochen Scherzer sehr aufschlussreich berichtet).

Und zum guten Schluss möchte ich die Salzburger Fronleichnams-Impressionen aus Erichs Feder nicht unerwähnt lassen:
"Was hat sich wohl die Gruppe japanischer Touristen gedacht, als der Baldachin, begleitet von Hunderten und Aberhunderten Menschen, an ihnen vorübergetragen wurde, begleitet von Bannern, von denen Heilige auf sie niederblickten, begleitet auch vom dröhnenden Erz der Glocken des Domes (Salzburg hat zwar nicht die größte Glocke, wohl aber das schwerste Geläut im deutschsprachigen Raum), verstärkt noch durch die Glocken der Franziskanerkirche und der Abtei St. Peter? Das muss ihnen nicht minder exotisch erschienen sein, wie mir die Zeremonien des Shintoismus. Dabei scheint das Staunen nicht länger mehr auf die Angehörigen gänzlich fremder Kulturen beschränkt; zumindest deuten dies die weit geöffneten Objektive der Camcorder und digitalen Fotoapparate jener Menschen an, die offensichtlich aus unserem Nachbarland stammen, und die sich von uns nur durch die scheinbar gemeinsame Sprache unterscheiden. Es war ihnen der Himmel eine Aufnahme wert, der Himmel und die Menschen, die lauthals auf den Straßen und Plätzen ihren Gott, Christus, anriefen. Pange lingua, Brot vom Himmel ..."

Nachtrag: Petra, die ebenfalls über ihr österreichisches Fronleichnam berichtet, möchte wissen, was Tantum ergo auf deutsch heißt. Nun, das ist nicht so einfach. Zunächst der Text, der aus den letzten beiden Strophen des Pange lingua besteht:

Tantum ergo Sacramentum
Veneremur cernui:
Et antiquum documentum
Novo cedat ritui:
Praestet fides supplementum
Sensuum defectui.

Genitori, Genitoque
Laus et iubilatio,
Salus, honor, virtus quoque
Sit et benedictio:
Procedenti ab utroque
Compar sit laudatio.
Amen.
Eine mögliche Übersetzung wäre:
Laßt uns tiefgebeugt verehren
ein so großes Sakrament,
dieser Bund wird ewig währen
und der alte hat ein End'.
Unser Glaube soll uns lehren,
was das Auge nicht erkennt.

Gott, dem Vater und dem Sohne
sei Lob, Preis und Herrlichkeit
mit dem Geist auf höchstem Throne,
eine Macht und Wesenheit!
Singt in lautem Jubeltone:
Ehre der Dreieinigkeit!
Amen.
Im deutschen Gesangbuch, dem Gotteslob, heißt der Text:
1. Sakrament der Liebe Gottes:
Leib des Herrn, sei hoch verehrt.
Mahl, das uns mit Gott vereinigt,
Brot, das unsre Seele nährt,
Blut, in dem uns Gott besiegelt
seinen Bund, der ewig währt.

2. Lob und Dank sei Gott dem Vater,
der das Leben uns verheißt,
seinem Wort, dem ewgen Sohne,
der im Himmelsbrot uns speist;
auch der Born der höchsten Liebe
sei gelobt, der Heilge Geist. Amen.

Ach ja, noch etwas: Unsere Prozession wird morgen zur Zeit der sonst üblichen Vorabendmesse stattfinden. Statt fester Altäre wird ein Beistelltischchen von Station zu Station getragen, wie ich heute erfahren habe. ;)

9 Comments:

At 5/27/2005 05:06:00 nachm., Blogger Scipio said...

Ein bißchen wörtlicher, mit 9 Jahren Latein im Hinterkopf (allerdings Abi '79) und ohne Wörterbuch:

Ein so großes Sakrament
lasst uns tiefgebeugt verehren;
und der alte Bund (die alte Lehre)
möge dem neuen Ritus weichen;
es gewähre der Glaube einen Ersatz
dem Fehlen der Sinne.

Dem Zeuger und dem Gezeugten
sei Lob und Jauchzen,
Heil, Ehre, Tugend auch
und Segen.
Dem, der aus jedem der beiden hervorgeht,
sei gleiche Lobpreisung.

 
At 5/27/2005 08:03:00 nachm., Blogger Petra said...

Eines von den dort gesungenen Liedchen wird schon die Entsprechung dafür gewesen sein... :-)

 
At 5/27/2005 08:04:00 nachm., Blogger Petra said...

Ich habe übrigens auch 6 Jahre Latein gelernt, also so ist das nicht... :-)
Ich habe nur gedacht, dass es vielleicht einen allgemein bekannten deutschen Titel für dieses Lied gibt.

 
At 5/28/2005 09:57:00 nachm., Blogger mr94 said...

Also, "Beistelltischchen" war nicht ganz das richtige Wort, aber die ersten beiden Stationen fanden an einfachen, nur mit einem Tuch geschmückten Tischen statt. Der Prozessionsweg führte einmal um die Kirche und das angrenzende Altenheim. Nun ja.

Dieses wunderbare Fest ist auch in der Diaspora-Sparversion nicht kaputtzukriegen.

 
At 5/29/2005 10:12:00 vorm., Blogger Petra said...

Ja ja... Das Erbe des Dreißigjährigen Krieges eben...

 
At 5/29/2005 09:02:00 nachm., Blogger Petra said...

Ich bin übrigens auf das Geheimnis des "Tantum ergo" draufgekommen: nein, bei unserer - doch etwas modernistisch angehauchter - Fronleichnamsveranstaltung wurde es nicht gesungen; dafür habe ich es schon zweimal bei Eucharistischen (Mai-)Andachten gehört.

Das Lied wird in Österreich übrigens zur Melodie der Kaiserhymne (also Eurer Bundeshymne! :-)) gesungen. Ist das in Deutschland etwa auch so??

 
At 5/29/2005 10:17:00 nachm., Blogger mr94 said...

Im Gotteslob steht jedenfalls eine andere Melodie...

 
At 5/30/2005 10:33:00 nachm., Blogger Petra said...

Ist wohl die version pour l'Allemagne... ;-)

 
At 6/17/2006 07:00:00 nachm., Blogger Alfred said...

Nachdem die Lehrergewerkschaft GEW empfohlen hat, den Text des Deutschlandliedes (wir singen ja nur die harmlos schöne 3. Strophe) nicht mehr zu singen, könnten wir ja vorschlagen, das Tantum ergo als Text der Nationalhymne zu übernehmen.
Übriens war die Fronleichnams prozession in Berlin am Gendarmenmarkt sehr gut besucht, mit vielen Jugendlichen, jungen Paaren und unseren Schätzen (den Alten). Mir hats gefallen - auch der kleine Umzug ums Carree. Vor lauter Fan-Taumel mal was anderes..

 

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